Die Wohnungsnot der jungen Generation
In München zahlt man für eine 30-Quadratmeter-Wohnung im Durchschnitt über 700 Euro Kaltmiete. In Berlin, Hamburg und Frankfurt sieht es kaum besser aus. Für viele junge Menschen, die gerade ins Berufsleben einsteigen, ist eine eigene Wohnung in der Großstadt zum unerreichbaren Luxus geworden.
Die Gründe für die Wohnungskrise sind struktureller Natur. Jahrzehntelang wurde zu wenig gebaut, insbesondere im sozialen Wohnungsbau. Gleichzeitig zogen immer mehr Menschen in die Städte, während Investoren Wohnraum als Kapitalanlage entdeckten. Die Folge: Das Angebot kann die Nachfrage bei Weitem nicht decken.
Junge Erwachsene trifft die Situation besonders hart. Viele können es sich nicht leisten, aus der Wohngemeinschaft auszuziehen oder eine Familie zu gründen. Die hohen Mietkosten verschlingen einen überproportionalen Anteil des Einkommens und schränken die finanzielle Zukunftsplanung ein. Eigentumserwerb bleibt ohne Erbschaft oder familiäre Unterstützung für die meisten illusorisch.
Die Politik reagiert mit verschiedenen Instrumenten: Mietpreisbremse, Baukindergeld, Förderprogramme für den sozialen Wohnungsbau. Doch die Maßnahmen greifen zu langsam. Experten schätzen, dass jährlich 400.000 neue Wohnungen gebaut werden müssten, um den Bedarf zu decken. Tatsächlich werden deutlich weniger fertiggestellt.
Die Wohnungsfrage ist längst zur sozialen Frage geworden. Wer wo wohnen kann, bestimmt zunehmend über Lebenschancen, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe. Eine Lösung erfordert den politischen Willen, Wohnen nicht allein dem Markt zu überlassen.