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Die Urban-Gardening-Bewegung

Auf einer ehemaligen Industriebrache im Berliner Stadtteil Neukölln wachsen Tomaten, Kürbisse und Sonnenblumen. Was vor zehn Jahren als spontanes Nachbarschaftsprojekt begann, ist heute einer von über 700 Gemeinschaftsgärten in deutschen Städten. Die Urban-Gardening-Bewegung hat sich von einer Nischenerscheinung zu einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen entwickelt.

Die Motive der Stadtgärtner sind vielfältig. Für manche steht der ökologische Aspekt im Vordergrund: Sie wollen wissen, woher ihr Essen kommt, und lehnen die industrielle Lebensmittelproduktion ab. Andere suchen einen Ausgleich zum digitalen Arbeitsalltag und schätzen die körperliche Arbeit an der frischen Luft. Für viele ist der Garten aber vor allem ein sozialer Ort, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft, Altersgruppen und sozialer Schichten zusammenkommen.

Politisch sind die Gärten nicht unumstritten. Immobilienentwickler sehen in den Brachflächen lukratives Bauland. In mehreren Städten mussten Gemeinschaftsgärten bereits Neubauprojekten weichen. Aktivisten fordern deshalb eine rechtliche Absicherung urbaner Gärten als öffentliche Grünflächen.

Wissenschaftliche Studien bestätigen den positiven Einfluss der Stadgärten auf die Biodiversität, das Stadtklima und das psychische Wohlbefinden der Beteiligten. In einer zunehmend verdichteten und digitalisierten Welt bieten sie einen analogen Gegenentwurf: einen Ort, an dem Wachstum keine Quartalszahlen meint, sondern den Keimling einer Tomate.