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Einsamkeit – die stille Epidemie unserer Zeit

Einsamkeit gilt als eines der unterschätztesten Gesundheitsrisiken der Gegenwart. Studien zeigen, dass chronische Einsamkeit das Risiko für Herzerkrankungen, Schlaganfälle und sogar Demenz erhöht – in einem Ausmaß, das dem Rauchen von 15 Zigaretten täglich entsprechen soll. Dabei ist Einsamkeit kein Randphänomen: In Deutschland gibt sich laut einer Umfrage des Robert Koch-Instituts fast ein Viertel der Bevölkerung als einsam zu erkennen.

Besonders betroffen sind ältere Menschen, die nach dem Tod des Partners oder dem Auszug der Kinder soziale Kontakte verlieren. Doch auch junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren berichten überraschend häufig von Einsamkeitsgefühlen – trotz oder vielleicht gerade wegen der ständigen Vernetzung in sozialen Medien. Oberflächliche digitale Kontakte, so die These vieler Psychologen, können das Bedürfnis nach echter Nähe nicht erfüllen.

Politisch wurde das Thema lange ignoriert. Großbritannien hat als erstes europäisches Land eine Staatsministerin für Einsamkeit ernannt und nationale Strategien entwickelt, um soziale Isolation zu bekämpfen. In Deutschland hinkt die politische Reaktion noch hinterher, obwohl Fachleute schon länger auf die Dringlichkeit hinweisen.

Was können Einzelne tun? Experten empfehlen, regelmäßige Treffen zu festen Terminen zu planen, sich ehrenamtlich zu engagieren oder Nachbarschaftsinitiativen beizutreten. Denn Einsamkeit entsteht nicht immer durch fehlende Kontakte – sondern durch mangelnde Qualität der vorhandenen.