Erbschaftssteuer und soziale Gerechtigkeit
In kaum einem anderen Bereich der Steuerpolitik prallen die Positionen so unversöhnlich aufeinander wie bei der Erbschaftssteuer. Befürworter einer höheren Besteuerung argumentieren, dass ererbtes Vermögen maßgeblich zur wachsenden Vermögensungleichheit beitrage, da es leistungslos erworben werde und somit bestehende soziale Unterschiede über Generationen hinweg zementiere. Würde man große Erbschaften stärker besteuern, ließe sich das zusätzliche Steueraufkommen beispielsweise in Bildung oder Infrastruktur investieren, wovon die gesamte Gesellschaft profitieren könnte.
Gegner einer solchen Reform verweisen hingegen darauf, dass insbesondere Familienunternehmen durch eine höhere Erbschaftssteuer in ihrer Existenz bedroht werden könnten, wenn Erben gezwungen wären, Firmenanteile zu verkaufen, um die Steuerschuld zu begleichen. Zudem sei es fraglich, ob eine stärkere Besteuerung tatsächlich zu mehr Verteilungsgerechtigkeit führe, solange gleichzeitig zahlreiche Ausnahmeregelungen und Gestaltungsmöglichkeiten bestehen blieben, die vor allem von vermögenden Familien genutzt würden.
Zwischen diesen beiden Positionen versuchen manche Ökonomen einen Mittelweg zu finden, indem sie für eine Reform der bestehenden Ausnahmen plädieren, anstatt die Steuersätze grundsätzlich zu erhöhen. Auf diese Weise könnte man verhindern, dass Betriebsübergaben unnötig erschwert werden, während gleichzeitig überproportional große Privatvermögen stärker zur Finanzierung des Gemeinwesens herangezogen würden. Ob sich die Politik auf einen solchen Kompromiss einigen kann, bleibt angesichts der festgefahrenen Fronten allerdings ungewiss.